Wird im Winter mehr Ohrenschmalz produziert?
Der Einfluss der kalten Jahreszeit auf Ohrenschmalz, Gehör und Ohrengesundheit
Wenn es draußen kalt wird, fühlen sich die Ohren manchmal einfach... anders an. Dumpfer, empfindlicher – so, als würde man nicht mehr ganz so klar hören wie sonst.
Gerade im Winter fällt das häufiger auf. Doch woran liegt das? Und hat es wirklich mit vermehrtem Ohrenschmalz zu tun – oder steckt etwas anderes dahinter?
Tatsächlich verändern sich im Winter einige Bedingungen, die unser Gehör beeinflussen können – ganz ohne dass etwas Ernstes dahintersteckt. Kalte Luft draußen, trockene Heizungsluft drinnen und häufigere Erkältungen gehören in dieser Zeit zum Alltag. Und genau diese Kombination kann dafür sorgen, dass sich unsere Ohren plötzlich anders anfühlen als gewohnt.
Solche Empfindungen sind nicht ungewöhnlich – und meistens kein Grund zur Sorge. Trotzdem fragen sich viele: Was genau passiert da eigentlich im Ohr? Wird wirklich mehr Ohrenschmalz produziert, oder täuscht uns unser Gefühl?
Ohrenschmalz ist ein natürlicher Schutz – und kein Hygieneproblem
Bevor wir uns der winterlichen Wahrnehmung widmen, lohnt sich ein Blick auf die Funktion des Ohrenschmalzes, medizinisch auch Cerumen genannt. Viele Menschen empfinden Ohrenschmalz als lästig oder unhygienisch – dabei erfüllt es mehrere wichtige Aufgaben:
- Es schützt die empfindliche Haut des Gehörgangs vor Austrocknung.
- Es wirkt antibakteriell und schützt vor Pilzbefall.
- Es befördert Staub, Schmutz und abgestorbene Hautzellen aus dem Gehörgang – ganz von selbst nach draußen.
- Es bildet es eine natürliche Schutzschicht, die Insekten und andere Fremdkörper fernhält.
Wie viel Cerumen (Ohrenschmalz) jemand produziert und wie es zusammengesetzt ist, hängt vor allem von den Genen ab – das ist von Person zu Person unterschiedlich. Manche Menschen bilden mehr, andere weniger – ganz unabhängig davon, ob es draußen kalt, warm oder nass ist.
Produzieren wir im Winter mehr Ohrenschmalz?
Die kurze Antwort: Nein. Medizinisch betrachtet gibt es keinen direkten Zusammenhang zwischen Außentemperaturen und der Menge des produzierten Ohrenschmalzes. Studien konnten bisher keinen signifikanten saisonalen Anstieg der Cerumenproduktion feststellen.
Was sich jedoch verändert – und das deutlich – sind die äußeren Umstände, unter denen unsere Ohren im Winter funktionieren. Diese beeinflussen die Wahrnehmung von Ohrenschmalz ebenso wie dessen Konsistenz und Abtransport. Das subjektive Gefühl von „mehr Schmalz“ oder „verstopften Ohren“ ist also real, die Ursache jedoch indirekt.
Veränderungen im Ohr: Der Einfluss des Winters
Das veränderte Gefühl in den Ohren lässt sich auf mehrere Faktoren zurückführen, die typisch für die Winterzeit sind.
Es liegt also nicht nur am Wetter – auch wie wir uns im Winter verhalten, was wir tragen und wie fit wir sind, hat Einfluss auf unser Hörgefühl.
Mützen, Schals und andere Kopfbedeckungen halten zwar warm, können aber die Luftzirkulation rund ums Ohr stören – und genau das verändert, wie sich unsere Ohren anfühlen.
Mützen, Schals und Kopfbedeckungen beeinflussen die Luftzirkulation im Ohr
Ein entscheidender Punkt ist die veränderte Luftzirkulation. Im Winter schützen wir unsere Ohren durch Mützen, Stirnbänder oder dicke Kapuzen. Was dabei oft übersehen wird: Diese schützen nicht nur vor Kälte, sondern dichten den äußeren Gehörgang regelrecht ab.
Durch den eingeschränkten Luftaustausch kann sich Wärme im Gehörgang stauen, was zu einem feuchteren Mikroklima führt. Diese feuchte Umgebung begünstigt das Weichwerden des Ohrenschmalzes, sodass er sich schmieriger anfühlt und möglicherweise schlechter von selbst abtransportiert wird.
Dadurch entsteht das Gefühl, „mehr Schmalz“ zu haben – obwohl die Produktion konstant geblieben ist.
Trockene Heizungsluft und reduzierte Bewegung wirken sich auf die Haut im Ohr aus
Die trockene Luft in beheizten Innenräumen ist eine weitere Ursache. Sie wirkt sich negativ auf die Feuchtigkeit der Haut aus – auch im Gehörgang. Trockene Haut neigt dazu, mehr Schuppen zu bilden, was die Cerumenmenge subjektiv erhöht. Die abgestorbenen Hautzellen vermischen sich mit dem Ohrenschmalz und verändern seine Konsistenz.
Zudem bewegen wir uns im Winter oft weniger, was auch auf den natürlichen Reinigungsmechanismus der Ohren Einfluss haben kann. Denn dieser erfolgt nicht aktiv, sondern durch die Bewegung des Kiefers (beim Kauen, Sprechen, Gähnen). Wird dieser Mechanismus reduziert, kann der Abtransport verlangsamt und Cerumen als „aufgestaut“ empfunden werden.
Erkältungen und verstopfte Nasennebenhöhlen führen zu Druckgefühl im Ohr
Ein weiterer wesentlicher Aspekt: Die Winterzeit ist Erkältungszeit. Infekte der oberen Atemwege führen häufig zu einer Schleimhautentzündung und Schwellung der Eustachischen Röhre – der Verbindung zwischen dem Mittelohr und dem Nasenrachenraum. Ist diese Röhre blockiert, kann der Druckausgleich im Ohr nicht mehr optimal erfolgen.
Die Folge: Das Ohr fühlt sich verstopft an, es kommt zu einem Druckgefühl, manchmal auch zu einer leichten Hörminderung. Dieses Gefühl wird oft mit einer Cerumenblockade verwechselt – obwohl der eigentliche Ursprung im Mittelohr liegt und nichts mit dem äußeren Gehörgang oder dem Ohrenschmalz zu tun hat.
Ohrreinigung im Winter: Warum weniger Pflege schnell zum Problem wird
Gerade im Winter verzichten viele Menschen auf eine regelmäßige und bewusste Ohrpflege – sei es aus Bequemlichkeit, weil man die Ohren ohnehin bedeckt hält, oder weil man irrtümlich denkt, weniger Kontakt mit Schmutz zu haben. Tatsächlich kann dieser Rückgang der Reinigungsroutine dazu führen, dass Cerumen sich über Wochen ansammelt.
Wichtig: Die Ohren sind grundsätzlich selbstreinigend – wenn man sie lässt. Der übermäßige Einsatz von Wattestäbchen ist hingegen schädlich. Sie drücken das Ohrenschmalz häufig nur tiefer in den Gehörgang und können langfristig zu echten Verstopfungen führen. Im Winter ist es daher besonders wichtig, auf eine schonende, passive Reinigung zu achten.
Was sagt die Forschung über saisonale Veränderungen des Gehörs?
Mehr Ohrenschmalz im Winter? Dafür gibt es bislang keinen wissenschaftlichen Beleg. Was viele als „Winter-Phänomen“ wahrnehmen, hat laut aktueller Forschung eher mit äußeren Einflüssen zu tun – etwa mit trockener Heizungsluft, Kältereizen oder Infekten.
Eine Studie von Jervis et al. (2021) fand keine Hinweise darauf, dass die Produktion von Cerumen in den Wintermonaten ansteigt. Dennoch gaben zahlreiche Teilnehmende an, in dieser Zeit häufiger unter einem dumpfen Hörgefühl oder verstopften Ohren zu leiden. Die vermutete Ursache: ein Zusammenspiel aus klimatischen und körperlichen Faktoren, das das Hörgefühl verändert – auch ohne Mehrproduktion von Ohrenschmalz.
Auch eine Übersicht der American Academy of Otolaryngology bestätigt: Subjektive Hörveränderungen sind im Winter nicht ungewöhnlich. Meist entstehen sie durch äußere Reize – nicht durch das Cerumen selbst.
Was Sie im Winter für Ihre Ohrengesundheit tun können
Ein bewusster Umgang mit dem Gehör ist in der kalten Jahreszeit besonders wichtig. Hier einige Empfehlungen aus der Praxis:
Insbesondere wenn Sie Hörgeräte tragen oder zu Cerumenansammlungen neigen, ist eine regelmäßige Kontrolle sinnvoll.
Nutzen Sie stattdessen Ohrensprays mit Meersalzlösung oder lassen Sie eine professionelle Reinigung durchführen.
In Wohnräumen sollte die relative Luftfeuchtigkeit nicht unter 40 % fallen. Luftbefeuchter können helfen, das Mikroklima gesund zu halten.
Eine gute Flüssigkeitszufuhr unterstützt die Hautgesundheit – auch im Ohr.
Kauen, Sprechen und Gähnen fördern die natürliche Selbstreinigung der Ohren.
Wann ist eine professionelle Ohrreinigung notwendig?
Unsere Ohren sind ziemlich selbstständig – sie halten sich im Normalfall ganz gut sauber. Doch manchmal sammelt sich Ohrenschmalz an, bleibt länger im Gehörgang als üblich und sorgt irgendwann für ein ungewohnt dumpfes Gefühl.
Wer dann merkt, dass das Hören plötzlich schwerer fällt oder sich Druck aufbaut, hat es womöglich mit einem sogenannten Cerumenpfropf zu tun – einer festen Ansammlung von Ohrenschmalz, die das Ohr regelrecht blockieren kann.
In so einem Fall hilft der Gang zum HNO-Arzt. Dort lässt sich das Ganze in der Regel schnell, sanft und ohne große Umstände entfernen.
Die kalte Jahreszeit beeinflusst das Gehör – aber nicht die Cerumenproduktion
Zusammenfassend lässt sich sagen: Die Empfindung, im Winter mehr Ohrenschmalz zu haben oder verstopfte Ohren zu verspüren, ist nicht unbegründet, aber nicht durch eine vermehrte Produktion erklärbar. Vielmehr sind es äußere Einflüsse wie Kleidung, Heizungsluft, weniger Bewegung und Infekte, die unser Gehör in der kalten Jahreszeit anders wahrnehmen lassen.
Mit dem richtigen Wissen und einer angepassten Pflege lassen sich diese Effekte jedoch gut kontrollieren – damit Sie auch im Winter klar hören, was wirklich zählt.
Unser Service ergänzt das bessere Hören – besonders in der kalten Jahreszeit.
Bei Hörwerk.Acusticum sorgen wir dafür, dass Ihre Hörsysteme auch in der kalten Jahreszeit zuverlässig arbeiten. Denn Kälte, trockene Heizungsluft und das häufige Tragen von Mützen oder Schals können dazu führen, dass sich Schmutz, Feuchtigkeit oder Ohrenschmalz schneller in den Filtern ablagern.
Gerade im Winter lohnt es sich daher, die Hörgeräte regelmäßig überprüfen zu lassen. Ein rechtzeitiger Filterwechsel oder eine gründliche Reinigung verbessert nicht nur die Klangqualität, sondern verlängert auch die Lebensdauer Ihrer Hörsysteme – oft spürbar.
Sprechen Sie uns gerne an – wir nehmen uns Zeit für Sie, Ihre Geräte und Ihr Gehör.
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FAQ - Mehr Ohrenschmalz im Winter
Im Winter können kalte Außenluft, trockene Heizungsluft oder eine warme Kopfbedeckung dafür sorgen, dass Ohrenschmalz weicher oder klebriger wird — dadurch kann der Abtransport gestört sein und das Ohr sich „verstopft“ anfühlen, obwohl nicht mehr produziert wird.
Ja. Trockene Heizungsluft entzieht der Haut Feuchtigkeit — auch im Gehörgang. Dadurch kann sich Cerumen verhärten oder sich mit Hautzellen vermischen und eher haften bleiben, was das Gefühl von „verstopften“ Ohren begünstigt.
Nein, die Menge des Ohrenschmalzes ist biologisch vorgegeben und schwankt nicht direkt mit den Jahreszeiten. Das Gefühl von mehr Schmalz entsteht meist durch veränderte Bedingungen rund ums Ohr — nicht durch eine tatsächliche Überproduktion.
Wenn Schleimhäute anschwellen (z. B. bei Erkältungen), kann der Druckausgleich zwischen Ohr und Nasen‑Rachen‑Raum gestört sein. Das Ohr wirkt dadurch „zu“, ohne dass der Gehörgang selbst blockiert ist — es fühlt sich ähnlich an wie bei Schmalzpfropfen, oft liegt die Ursache aber tiefer.
Nicht unbedingt — eine falsche Reinigung (zum Beispiel mit Wattestäbchen) kann das Cerumen tiefer in den Gehörgang drücken und das Problem verschlimmern. Sanfte Methoden sind sinnvoller, eine professionelle Ohrkontrolle bei hartnäckigem Gefühl meist die bessere Wahl.
Wenn das Gefühl länger anhält, Hörprobleme, Schmerzen, Druck, Ohrgeräusche oder Schwindel auftreten — insbesondere wenn Hausmittel oder sanfte Reinigung keine Linderung bringen. Dann kann eine professionelle Ohruntersuchung sinnvoll sein.
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